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5 vor 12: Gesundheitsdaten aller GKV-Patienten in Gefahr

5. November 2019

Das Twankenhaus hat seit gestern nahezu alle Mitglieder des Deutschen Bundestages angeschrieben, um vor der Verabschiedung des „Digitale-Versorgung-Gesetz“ im Bundestag am Donnerstag, den 07.11.2019 zu warnen.

Das Bundesgesundheitsministerium plant im Rahmen dieses Gesetzes die Weitergabe der Daten von 73 Millionen gesetzlich Krankenversicherter zu Forschungszwecken.

Der Vorschlag einer einfacheren wissenschaftlichen Auswertung ist unter bestimmten Aspekten begrüßenswert, da die Analyse großer Datenmengen die Möglichkeit bietet, Gesundheitszusammenhänge zu erkennen und zu erforschen. Dadurch können Präventionsmaßnahmen, Therapien und die allgemeine Gesundheitsversorgung verbessert werden.

Gesundheitsdaten sind jedoch besonders schützenswerte und hochsensible Daten mit einem erheblichen Missbrauchspotential.

Der Entwurf sieht vor, umfassende Gesundheitsdaten unverschlüsselt und nicht anonymisiert an den GKV-Spitzenverband zu übermitteln. Die technische Vorgabe dazu soll erst im Verlauf erarbeitet werden. Es bleibt unklar, wie eine Identifikation Einzelner nach erfolgter Pseudonymisierung nachhaltig verhindert werden kann.

Wer in welchem Rahmen Zugriff auf die Daten erhält, muss aber gesetzlich geregelt werden, um die Weitergabe und Verwendung entgegen ihres ursprünglichen Zwecks zu verhindern.

Der Verein Twankenhaus e.V., betrachtet den Gesetzesentwurf angesichts der offenen Fragen mit großer Sorge und warnt vor der Verabschiedung dieses Gesetzes, sofern es nicht in folgenden wesentlichen Punkten überarbeitet wird:

  • Anonymisierung statt Pseudonymisierung: Rückschlüsse auf die Daten Einzelner dürfen prinzipiell nicht möglich sein. Des Weiteren muss die Anonymisierung den Mindeststandards von Ethikkommissionen, wie sie im Rahmen von Forschungsvorhaben angewendet werden, entsprechen. Es muss sichergestellt sein, dass die Standards der Verschlüsselung sich laufend den technischen Entwicklungen anpassen, um auch in Zukunft den Datenschutz durchgängig zu gewährleisten.
  • Anonymisierung von Anfang an: Patientendaten müssen vor ihrer Weitergabe bereits durch die Krankenkassen anonymisiert werden und nicht erst zum Zeitpunkt der Verarbeitung durch Organisationen.
  • Zustimmungslösung: Patienten müssen der Verarbeitung ihrer Daten aktiv zustimmen. Hierfür ist eine vollständige schriftliche Aufklärung über die verwendeten Verschlüsselungsverfahren und Sicherheitsebenen notwendig.
  • Ethische Verwendung der Daten: Leitlinien müssen sicherstellen, dass die Daten unter ethischen und medizinischen Maximen verwendet werden, um auch insbesondere die Rechte von Minderheiten bzw. besonderen Patientengruppen zu schützen. Der Schwerpunkt darf nicht auf Kostendämpfung oder ökonomischer Lenkung liegen.
  • Gleichbehandlung: Wenn die Zielsetzung der Datenverwendung die verbesserte Gesundheitsversorgung der Bevölkerung ist, dann dürfen keine Unterschiede zwischen den Daten aus gesetzlicher Krankenversicherung, Beihilfe, privater Krankenversicherung und freier Heilfürsorge gemacht werden. Andernfalls ist eine bewusste Ungleichbehandlung der gesetzlich versicherten Patienten anzunehmen.
  • Öffentliche Diskussion: Die Erhebung und Verwendung aller existierender Gesundheitsdaten ist eine grundsätzliche Veränderung in der Handhabung von Datenerhebung und -schutz. Eine so grundlegende Änderung muss breit öffentlich diskutiert werden.

Bitte helfen Sie mit, diesen Gesetzesentwurf in seiner jetzigen Fassung zu stoppen, in dem Sie unseren Brief (hier der Link zum PDF) per Mail oder in den sozialen Medien teilen und die Ihnen bekannten Politikerinnen und Politiker für dieses so wichtige Thema sensibilisieren.

Wir brauchen ein Team #Twankenhaus

3. März 2019

Kennt Ihr sie auch – die Ärzte der Marke Einzelkämpfer – in welcher Versorgungsform (Arztpraxis oder Krankenhaus) auch immer? Diejenigen, die sich gegenüber Kollegen durchsetzen mussten, ihre Versorgungsbereiche schützen und auf Kosten der Umliegenden ausbauen wollten? Ich kenne genügend von dieser Sorte. Das Wort Teamwork kam selten in ihrem Sprachgebrauch vor, hierarchische Machtstrukturen zeichneten sie aus. Dieses war in der Anfangszeit meiner ambulanten Versorgung immer noch ein vorherrschendes Thema. Das ist allerdings auch bereits mehr als zehn Jahre her. Weiterlesen…

Lieber Helfer als Gaffer!

30. Juli 2019

Wir alle, die „auf der Straße“ unseren Dienst versehen erleben immer wieder Situationen, in denen unsere Arbeit von Gaffern „begleitet“ wird. Mal mit mehr, mal mit weniger Behinderungen. Aber uns alle eint, dass wir dafür nur Unverständnis aufbringen können. Wer bei google nach dem Begriff „Gaffer“ sucht, der findet eine Vielzahl an Schlagzeilen. „Polizei zählt immer mehr Gaffer bei Unfällen“, „Gaffer behindern Feuerwehr“, mancherorts wird gar der „Gaffer-Alarm“ beschrieben. Wir sehen, das Thema ist tagein tagaus in den Medien präsent. Wir haben keine belastbaren Zahlen, ob das Phänomen wirklich immer schlimmer wird, wie gerne behauptet wird. Wir wollen auch nicht in das allgemeine Wehklage einsteigen, dass ja früher auf jeden Fall alles besser war. Weiterlesen…

Qualifikationen im Rettungsdienst

28. Juli 2019

Was muss man tun, um beim Rettungsdienst zu arbeiten?

Um im Rettungsdienst arbeiten zu können, muss man eine Qualifikation erlangen. Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es zwei Möglichkeiten: man wird Rettungssanitäter oder Notfallsanitäter.

Um Rettungssanitäter zu werden, muss man in Vollzeit einen Monat lang eine anerkannte Schule besuchen. Nach den vier Wochen Schule geht man für vier Wochen in ein Krankenhaus, um in den Bereichen der Notaufnahme, der Anästhesie und manchmal auch auf einer normalen Station zu hospitieren, danach absolviert man ein vierwöchiges Praktikum auf einer Rettungswache. Sind diese drei Monate und gleichzeitig drei Stationen absolviert, geht es zur Abschluss- und Prüfungswoche wieder in die Schule.

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Vereinbarkeit aus Sicht einer Studentin @doctor_katze

11. März 2019

Ich bin Medizinstudentin. Ich bin bald Ärztin. Ich bin Ehefrau. Was ich nicht bin: Mutter.

Ich bin eigentlich im besten Alter, um Kinder zu bekommen. Und ich will Kinder haben, keine Frage. Wieso ich noch keine habe, liegt auch an der fehlenden Vereinbarkeit.

„Die beste Zeit, um Kinder zu bekommen, ist im Studium.“, hört man oft. Dafür haben  wir „familienfreundliche Hochschulen“. So die Theorie. Weiterlesen…

Meine Vereinbarkeitsgeschichte

9. März 2019

Ich bin früh Mutter geworden. Mit 21,während meiner Krankenpflege-Ausbildung. Das Medizinstudium habe ich erst nach einigen Jahren als Krankenschwester begonnen. Da war ich bereits schwanger mit Kind 2,habe das Studium aber trotzdem fast in Regelstudienzeit durchgezogen. Schon damals mussten meine Eltern mich bei der Kinderbetreuung unterstützen, die Kita deckte die Unizeiten oft nicht ab, denn das Medizinstudium ist sehr verschult mit festen Stundenplänen und vielen Pflichtveranstaltungen.

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Vereinbarkeit war mir suspekt @NiniBela

8. März 2019

Als kinderlose Jungassistentin waren mir diese Kollegen-Eltern immer suspekt. Die hatten nie Zeit, mussten immer nach Hause, wenn ich noch an meinem 27. Arztbrief geschraubt habe, waren mit ihren Sachen immer schon fertig, hatten blitzschnell Konzepte und sind nie mit in die Kneipe gekommen. Ich hatte kein Verständnis für Kinder und noch weniger für Eltern.

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Vereinbarkeit ist mehr @Kinderdok

8. März 2019

Ich gestehe, meine Frau und ich haben den klassischen Weg genommen: Wir waren beide mit unserer Ausbildung fertig (ok, ich steckte noch in den Tiefen der Facharztanerkennung), hatten einen festen Job (am gleichen Krankenhaus), haben geheiratet und zwei Kinder bekommen. Während ich weiter gearbeitet habe, nahm meine Frau die Elternzeit für jeweils zwei Jahre, hat zwischenrein wieder in Teilzeit gearbeitet, immer weiter aufgestockt, je älter die Kinder wurden, so dass wir beide nun wieder voll arbeiten. Weiterlesen…

Vereinbarkeit @Schwesterfraudoktor

8. März 2019

Dass  Vereinbarkeit  in  unserem  ärztlichen  Beruf  noch  ein  Mythos  ist,  musste  ich  selbst feststellen: Mit stagnierender Karriere und meinem Ehe-Aus vor zwei Jahren.

Vergangenheit

Ich bin seit zehn Jahren Ärztin und bin beruflich und privat in Slowmotion unterwegs. Das klingt  jetzt  furchtbar  frustriert,  aber  das  bin  ich  nicht.  Ich  bin  eigentlich  Duracel-Hase  par excellence und ein sachlicher und positiver Mensch. Ich habe festgestellt, dass es immer irgendwie weitergeht. Aber: es gibt so viele gravierende Missstände in unserem Beruf, die Karrieren und Privatleben zerstören. Das kann nicht länger hingenommen werden. Weiterlesen…

Vereinbarkeit als Partnerin @Lieschen Müller

8. März 2019

LieschenMuellerIch bin Weiterbildungsassistentin im Fach Orthopädie und Unfallchirurgie, Partnerin und Mutter. Seit ich Ärztin bin, sah und sehe ich viele meiner Kommiliton*innen und Arbeitskolleg*innen zweifeln. Von ursprünglich acht meiner besten Freundinnen, die in einem chirurgischen Fach angefangen haben, ist noch eine übrig. Weiterlesen…