#MeinEinsatzFürDich: Twankenhaus-Logistik

5. April 2019
Ohne Fahrer gibt es keinen Alltag 
Bevor ich meinen LKW – Führerschein gemacht habe, war ich mir nicht bewusst, dass fast alle Alltags-Gegenstände per LWK transportiert werden. Das Bett und die Bettwäsche, in der du oder dein Patient schlaft: per LKW geliefert.
Die Zahnpasta: per LKW in den Supermarkt geliefert. Diesel für dein Auto und Rettungsfahrzeuge (RTWs, NEFs, HLFs, DLKs, etc.): per LKW angeliefert.
Eine moderne Medizin wäre ohne mich nicht möglich. Die Radiologie benötigt radioaktive Elemente um zu röntgen oder Krebs behandeln zu können. Diese Transporte unterliegen ganz besonders strengen Vorschriften, da die Strahlengrenzwerte nicht überschritten werden dürfen. Die Fahrer müssen Dosimeter tragen.
Um gefährliche Stoffe, z.B. tiefkalte Gase (Stick – oder Sauerstoff), Diesel, Benzin und andere (flüssige) petrochemische (Zwischen-) Produkte transportieren zu dürfen, braucht man als Fahrer eine besondere Ausbildung und anschließende IHK – Prüfung. (3-5 Tage, ADR – Bescheinigung, Kosten ca. 550€). Rein rechtlich darf man dann das meiste Gefahrgut fahren (Ausnahme: explosive – und radioaktive Stoffe). Die eigentliche Schulung zur Bedienung des Tankaufliegers und weitere Ausbildung findet dann beim Arbeitgeber statt (bis zu 6 weitere Monate).

Der tägliche Kampf der LWK-Fahrer
Um dafür zu sorgen, dass die Pharmaindustrie Medikamente herstellen kann, wartet man teilweise stundenlang beim Kunden um be – oder entladen zu können. Man fährt durch den Berufsverkehr, nachts oder früh morgens, durch ganz Europa, wochenlang, wenn es sein muss. Man fährt Umwege, da Gefahrguttransporte nicht durch Wasserschutzgebiete fahren dürfen. Man kämpft mit dem Parkplatz – und Toilettenmangel auf Rastplätzen. Manchmal gibt es keine freien Parkplätze und man muss seine Lenkzeit überschreiten, um den nächsten freien Parkplatz zu erreichen. Die überschrittene Lenkzeit muss man dann bei einer Kontrolle dem (französischen, polnischen, spanischen,…) Polizisten erklären können. Glaubt man mir nicht, zahlt man eine saftige Strafe und bekommt womöglich noch Punkte.
In Deutschland fehlen derzeit 40.000 LKW – Fahrer. 26,5% der LKW – Fahrer sind zwischen 55 und 65 Jahre alt und werden in den nächsten Jahren in Rente gehen. Gerade mal 2,6% sind unter 25 Jahre.
Vereinbarkeit gibt es nicht
Wie im Gesundheitswesen auch, hat man mit schlechten Arbeitsbedingungen, Personalmangel und unangemessenem Lohn zu kämpfen. Es ist schwierig einen guten Arbeitgeber zu finden, trotz Personalmangel.
Eine Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist im Fernverkehr kaum möglich. Wer wochenlang oder wochenweise unterwegs ist, kann nicht (durchgehend) für seine Familie da sein. Verzögerungen können außerdem dafür sorgen, dass man später als geplant nach Hause kommt und womöglich irgendwo “festsitzt”, weil man
a) die maximal erlaubten 56 Stunden in der Woche schon gelenkt hat und darum nicht weiter Richtung Heimat fahren kann. Oder
b) nicht abladen kann, weil der Kunde Samstag und Sonntag geschlossen hat.
Warum ich das #twankenhaus unterstütze
Deswegen hoffe ich, dass sich die Idee des #twankenhaus auch bei anderen Branchen durchsetzt.
Die Idee, dass bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, gut ausgebildetes und genügend Personal und angemessene Bezahlung sowohl für den Arbeitnehmer als auch den Arbeitgeber ein Vorteil ist.
Angesichts des fehlenden Personals und Nachwuchs in der Transportbranche ist das kein Luxus, sondern pure Notwendigkeit.
Eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Transportbranche hat auch Auswirkungen auf das #twankenhaus. Es muss sich niemand mehr Sorgen machen, ob der infektiöse Abfall abtransportiert wird, die Radiologie genügend radioaktive Stoffe bekommt oder Medikamente hergestellt werden können.

Dieser Text wurde uns von einem unserer Leser eingesandt, der Klarname ist uns bekannt. Wir danken Dir ganz herzlich für Dein Engagement!