Ich gehe gern zur Arbeit! – Ein Grund mehr, sich im Twankenhaus zu engagieren.

20. Mai 2019

Wenn ich am Wochenende Dienst auf unserer Überwachungsstation schiebe, frühstücke ich oft gemeinsam mit den dort tätigen Kolleg*innen. Es vergeht kein Schmaus, ohne dass sich mindestens zwei Drittel der Beteiligten den halben Vormittag lang über die herrschenden Arbeitsbedingungen kritisch auseinandersetzen. Das Thema scheint also mehr als präsent zu sein. Ich wiederum kann mich als Angestellter in diesem Haus glücklich schätzen, mit meinen #Arbeitsbedingungen grundsätzlich zufrieden zu sein. Und ich finde, auch das verdient in unserer Themenwoche Erwähnung. 

Seit knapp einem Jahr bin ich Assistenzarzt in der Anästhesie in einem großen Berliner Maximalversorger. Die groben Rahmenbedingungen: ich werde relativ gut betreut, Einarbeitung fand am Anfang zumindest in ausreichendem Maße statt, ich habe in 9 Monaten arbeiten “nur” rund 40 Überstunden gemacht und allesamt dokumentieren können, Anteile davon wurden bereits ausgeglichen. Mein Gehalt ist überdurchschnittlich, steigt regelmäßig, es werden Fortbildungen bezahlt. Und noch besser: ich habe sympathische Kolleginnen und Kollegen, die mich unterstützen, fördern und sich auch mal bei einem Feierabendgetränk austauschen. Ich gehe gerne zur Arbeit!
Aber neben diesen Rahmenbedingungen, die mich allgemein sehr entlasten, gibt es auch aus meiner Perspektive Weichen, die für die Zukunft gestellt werden müssen, um den Alltag in der Medizin auf lange Frist gesund, sicher und für alle Parteien fruchtbar zu gestalten. 

Diese Aspekte sind mir am wichtigsten: 

#Ausbildung – kann nicht mit dem Studium enden. Konzepte für die Facharztweiterbildung, die über eine Strichliste an Maßnahmen hinausgehen, sind dringend notwendig.

#Patientenfokus – soll Maxime unseres Handelns sein können. Eine dicke Personaldecke, Qualitätsmanagement, evidenzbasierte Medizin und Zeit für Aufklärung und Information sorgt für gut versorgte, glückliche Patienten und konsekutiv auch Mitarbeiter. 

#Leitungskräfte – müssen für diese Aufgabe ausgebildet werden. Die Medizin kann nicht der letzte Tätigkeitsbereich bleiben, in dem Teamentwicklung, Ressourcenmanagement und Weichenstellung für die Zukunft durch Menschen geschieht, die oft keinerlei Führungs- und Leitungsqualifikationen genossen haben. 

#Vereinbarkeit – mit unserem Leben und dem der Patient*innen. Familie, Ausbildung, Weiterbildung, Ehrenamt, Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes, unterschiedliche Kulturen – all dies sind nur einige Aspekte die mir wichtig sind. Die #Twankenhaus-Themenwoche hat gezeigt, wie groß hier der Gesprächsbedarf ist.

#Ressourcen – sollen fair verteilt werden. Patient*innen und Mitarbeiter*innen sollen nicht unter der Ungleichverteilung von Geldern und Personal leiden müssen. Dafür werden aktuell privilegierte Fachbereiche Abstriche machen müssen.

#Empathie – unter und gegenüber Kolleg*innen und Patient*innen. Krank sein ist belastend und mit erkrankten Menschen zu arbeiten manchmal ebenfalls. Das ist normal und gehört in jedem Fall wertgeschätzt, empathischer Umgang muss daher Pflicht sein. Empathische Kompetenz sollte bei der Zulassung für das Studium mehr wert sein, als ein astronomischer NC. 

Meine Bitte : diese Punkte und viele andere wichtige Aspekte werden nur umsetzbar sein, wenn sich alle Beteiligten engagieren – also ran an den Speck! Von der kurzen Intervention des Einzelnen im OP bis hin zur Arbeit auf politischer Ebene. Ein Grund mehr, sich im #Twankenhaus zu organisieren! 

 

Dieser Hoffnungsschimmer und Aufruf zum gemeinsamen Engagement stammt von unserem Teammitglied Simon Link / @sfj_link 

#Wunsch: Lehre – #Wirklichkeit: Leere?

20. Mai 2019

Da ich mich noch im Studium befinde, bin ich von den Arbeitsbedingen im Krankenhaus (noch) nicht direkt betroffen. Und trotzdem komme ich damit immer wieder in Berührung und es hat entscheidende Auswirkungen auf meine Ausbildung. Weiterlesen…

Gebirgsmedizin

19. Mai 2019

Neunzehn, dick, häßlich, aber einigermaßen gutes Abitur – da steht einem die Welt offen. Haben jedenfalls alle gesagt. Und ehe ich mich versah, stand ich gar nicht in Stephen-Fry-Manier mit einem Glas Single Malt am knisternden Kamin einer britischen Literatur-Uni, tief im intellektuellen Diskurs mit meinen fellow intellectual Kommilitonen. 

Ganz im Gegenteil war ich eine ess- und trinkgestörte Medizinstudentin: gar nichts essen und sehr viel Alkohol trinken, aka „Speicher löschen“ nach absolviertem Hirn-Testat. 

Medizin. Helfen, heilen, tief im Diskurs mit dankbaren, empathiebedürftigen Menschen. Hippokrates. Große, weiße Welt. In Wirklichkeit drohte gerade die Zulassung zum Physikum zu scheitern, weil ich nicht ausrechnen konnte, wieviel Gewicht auf einem Lastwagen ist, auf den eine Mücke mit 70 km/h pro Stunde springt, wenn der Lastwagen 120 km/h fährt. Oder so ähnlich. Ich verstand nicht mal die Fragen in der dritten Wiederholung der Physikklausur.  Weiterlesen…

Unsere neue Themenwoche: #WunschUndWirklichkeit – Gute Patientenversorgung braucht gute Arbeitsbedingungen

17. Mai 2019

Die Qualität der Patientenversorgung steht im engsten Zusammenhang mit den Mitarbeiter*innen im Gesundheitswesen: Pflegefachkräfte, Ärzt*innen, Physio- und Ergotherapeutinnen, dem außerklinischen Rettungsdienst, Logopäd*innen und Sozialarbeiter*innen um nur die häufigsten zu nennen.

Die meisten arbeiten in diesen Berufen, weil sie gut sind in dem was sie tun, weil sie ein ernsthaftes Interesse an einem gut funktionierenden Gesundheitswesen, einer guten und empathischen Patientenversorgung und ihrer eigenen stetigen professionellen Entwicklung haben.

Zahlreiche Angehörige dieser Berufsgruppen berichten von einer Verschlechterung ihrer Arbeitsbedingungen. Viele Mitarbeiter*innen haben schon einen oder mehrere Arbeitsplatzwechsel wegen individuell oder sogar generell unzumutbarer Rahmenbedingungen hinter sich. Die meisten, die den Beruf ganz verlassen sind nicht unzufrieden mit dem Berufsbild an sich, sondern mit der Arbeitswelt, mit der sie sich arrangieren sollten.

Wir als Kolleg*innen und Patient*innen oder Angehörige, kurz wir als Gesellschaft können uns aber die dauerhafte Überlastung, Unzufriedenheit, das Abwandern aus den Gesundheitsberufen schlicht nicht leisten!

Für die meisten Bürger*innen hat die Gesundheit eine sehr hohe Priorität. Dem sollten wir Rechnung tragen, indem wir auch das Gesundheitswesen und seine Mitarbeiter*innen seelisch wie körperlich gesund halten.

Mit der dritten Themenwoche des Twankenhaus wollen wir die Arbeitsbedingungen in den Vordergrund stellen – was ist die Arbeitswirklichkeit der Gesundheitsberufe und was für berufliche Bedingungen wünschen sie sich?

Wir werden in der Aufarbeitung dieser Themenwoche Forderungen und Lösungsansätze ableiten, um die Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen zu verbessern: denn eine gute Patientenversorgung kann nur mit gesunden und zufriedenen Mitarbeiter*innen gelingen!

#WunschUndWirklichkeit – Erfahrungen, auf die ich gerne verzichtet hätte… der sehr persönliche Bericht einer Angehörigen

19. Mai 2019

Für die Mitarbeiter*innen im Gesundheitswesen sind ihre Arbeitsbedingungen oft eine erhebliche Belastung. Viele arbeiten unter schlechten Rahmenbedingungen viele Jahre oder gar ihr ganzes Berufsleben. Schlechte Arbeitsbedingungen schaden den Mitarbeiter*innen – eine negative Arbeitswelt macht unzufrieden und krank. Sie belastet die Angehörigen der Gesundheitsberufe aber auch, weil sie ihren Patient*innen nicht die medizinische Versorgung bieten können, die sie gerne würden. Weiterlesen…

#ÖAonDutyLive

17. Mai 2019

Lange habe ich mich mit dem Thema #Arbeitsbedingungen schwer getan und mir war nicht so klar warum eigentlich. Das Thema ist so multifaktoriell beeinflusst, dass ich dazu keinen prägnanten Tweet absondern kann. Also muss ein Blogbeitrag her. Here we go: Weiterlesen…

#Arbeitsbedingungen in der ambulanten Physiotherapie

18. Mai 2019

Mehr Zeit für die Behandlung bitte! Keine Fließbandarbeit!

10 Minuten vor acht schaue ich in den Terminplan, was mich heute erwartet, welche Patienten heute zu mir kommen. 

Oh je, einer dieser Tage. Nur Patienten zur Physiotherapie und 2 zur Massage im Plan. Nicht falsch verstehen, ich liebe meinen Beruf und mache tatsächlich lieber Physiotherapie als Massage oder Lymphdrainage.
Das Problem liegt woanders. Weiterlesen…

Wir sind das Twankenhaus 

19. April 2019

Wir sind das Twankenhaus. Wir sind ein „next generation thinktank“ im Gesundheitswesen.

Wir sind die Gesundheitsdienstler von heute, die ein System von gestern zu einer Medizin von morgen verändern wollen. Überparteilich und neutral.

Wir sind ca. 50 Mitglieder des Gesundheitswesens und haben Vertreter aller Professionen in unseren Reihen: Pflegekräfte, Ärzt*innen, Student*innen, Menschen aus dem Rettungsdienst, Patientenvertreter*innen, Physiotherapeut*innen. Kennen- und lieben gelernt haben wir uns im Herbst 2018 auf Twitter und beschlossen, uns zu treffen. Das Treffen fand im Februar statt. 

Seitdem ist viel passiert: Das Twankenhaus wird es bald als eingetragenen Verein geben, es war in Zeitungen (SGP Report; Die Zeit) und in Online-Artikeln (Krautreporter.de, Jetzt.de).

Das Ziel unseres Thinktanks ist, auf die derzeitigen Missstände im Gesundheitswesen aufmerksam zu machen. Denn das Arbeiten in diesem System gefährdet Patientenleben und zerstört die Gesundheit der Mitarbeiter*innen. Wir alle in unseren Berufen lieben unseren Job und brauchen keinen roten Teppich. Aber menschenwürdiges Arbeiten und Zeit für unsere Patient*innen brauchen wir alle. 

Wie wir arbeiten und was uns auszeichnet

Das Twankenhaus zeichnet sich durch einen unkonventionellen Arbeitsstil aus, der basisdemokratisch funktioniert und die Mitsprache aller seiner Mitglieder zulässt. Regelmäßiger, intensiver Diskurs auf multiplen Kanälen, Telefonkonferenzen, persönliche Treffen – das Twankenhaus nutzt vielfältige Kommunikationswege, um alle Agierenden einbinden zu können. 

Regelmäßige Themenwochen auf Twitter binden Nicht-Mitglieder ein und wünschen und fordern aktive Mitsprache, damit die Perspektive aller Betroffenen eingebunden wird.

Blogbeiträge von Externen und Internen auf der Homepage ergänzen die kurzen Twitter-Botschaften. Und aus all den Meinungen und Eindrücken wird ein Positionspapier entworfen, in dem Stellung genommen wird zu der aktuellen Stimmungslage und den Verbesserungs- und Lösungsvorschlägen. 

Das Twankenhaus arbeitet frei von Profitdenken, denn keines der Mitglieder verdient etwas an seiner Arbeit im Twankenhaus. Alle Mitglieder stehen mitten im Berufsleben und können entweder im Schutz der Anonymität oder frei mit ihrem Klarnamen ihre Gedanken äußern – denn nur so schafft man ein Abbild der gesamten Situation. 

Das Twankenhaus als Thinktank ist frei von Konkurrenzdenken, da alle Mitglieder entsprechend ihrer stärksten Kompetenz eingesetzt werden. Manche kümmern sich um die Technik, manche um das Schreiben, manche bedienen die sozialen Medien und manche agieren im Hintergrund als Organisatoren. 

Die Arbeit des Twankenhaus basiert auf drei Säulen: 

  1. Der Diskurs über Missstände und drängende Veränderungen im Gesundheitswesen
  2. Die Erarbeitung von Positionspapieren und Handlungsempfehlungen
  3. Die praktische Umsetzung der Ziele in Form von Arbeitsgruppen 

Neben der theoretischen Säule über Positionspapiere und die Homepage gibt es multiple Arbeitsgruppen, die ganz konkrete Themen bearbeiten: Gesundheitsbildung in der Bevölkerung, Rettungsdienst und Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind die Kernthemen der Arbeitsgruppen. 

Was wir uns wünschen 

Kurz gesagt: Wir wünschen uns mehr Zeit. Zeit für die Patient*innen und für unsere Familien durch eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wir wünschen uns bessere Arbeitsbedingungen, eine fundierte Aus-, Fort- und Weiterbildung. Wir wollen den Beruf, den wir lieben, wieder gerne ausüben. 

Und dafür benötigen wir weiterhin Input von Internen und von Externen. Von Patient*innen, von Pflegefachkräften, Ärzt*innen, Therapeut*innen, Sanitäter*innen und Fachfremden. Das Twankenhaus ist bereits jetzt ein Abbild eines Krankenhauses, wie es in Zukunft funktionieren könnte. 

Schwesterfraudoktor für das Twankenhaus

#MeinEinsatzFürDich – in der Inneren Medizin

7. April 2019

#MeinEinsatzfürDich – in der Inneren Medizin

Ich bin angehende Internistin. Das bedeutet, dass ich seit dem Abschluss des sechs Jahre währenden Studiums zwar fertige Ärztin bin, damit kann man aber noch nicht viel anfangen.

Ich habe es nie bereut, in die Innere zu gehen. Diejenigen, die mir auf Twitter folgen, erkennen das auch hin und wieder an meinem #InnereRulez.

Die Innere Medizin ist sehr breit gefächert und nahezu für jedes Interesse gibt es eine Nische. Es gibt herrliche Chirurgen-Witze und ein paar ganz nette Internisten-Witze. Uns wird oft vorgeworfen, dass wir zu lange Briefe schreiben, alles wissen, aber nichts können und dergleichen.

Da ich sehr oft dem Ausspruch begegne „Ach Du arbeitest in der Inneren Medizin, das heißt, Du schneidest also die Leute auf“ möchte ich hier mit diesem Irrglauben aufräumen. Weiterlesen…